• Joanna C. Schröder

"Wie wir voneinander lernen können."

Updated: Jul 19, 2019

Joanna Catherine Schröder kam mit zwölf Jahren nach Deutschland, Meklit Fekadu mit sieben Jahren. Sie beide sind Fotografinnen geworden. Ihre Arbeit bestimmt die Frage nach der Identität. Nach ihren und anderen Identitäten. Für heartxwork haben sie sich getroffen, um sich gegenseitig mit der Kamera zu befragen und voneinander zu lernen.



Poesie von Joanna C. Schröder/ Fotos von Meklit Fekadu & Joanna C. Schröder.






Blaue Stunde


Es ist zu warm für Anfang April.

Am Ende der Straße ist das offene Tor.

Das offene Tor zum Feld. Es ist voll.

Blaue Stunde.

Es ist Samstag. Um uns herum liegende Hipster, Öko-Familien, Menschen in Bewegung.

Inline-Skates. Fahrrad. Joggen. Spielen.

Ich überlege, wo ich sie fotografieren möchte. Schaue mich um. Es ist voll.





Wer fängt an? Ich möchte anfangen. Ich fühle mich unwohl als erste vor der Kamera zu stehen.

Ich fotografiere lieber und mache mir keine Gedanken darüber.

Sie steht über mir.

Ich räkele mich mit meiner Kamera auf dem Boden.

Das Licht ist perfekt.

Es ist zu warm für Anfang April.



Erst ist sie schüchtern,

introvertiert, die Kamera

ist auf sie gerichtet.

Sie lacht nervös.

Bewegt sich.

Bleibt stehen.

Ihr Blick wird ernst und

sie schaut mich an.

Direkt. Sie ist da.

Stark, weich, echt, ruhig, Frau.



Erst sind wir schüchtern,

introvertiert, die Kamera

ist auf uns gerichtet.

Wir lachen nervös.

Bewegen uns.

Bleiben stehen.

Unser Blick wird ernst und

wir schauen uns an.

Direkt. Wir sind da.

Stark, weich, echt, ruhig, Frau.




Wir sprechen, lachen, schweigen.

Es ist ein Tanz, ein Austausch.

Wir sind fokussiert.

Es ist ein Austausch. Ein geben und nehmen. Wir erkennen uns und finden uns in dem Prozess. Wir sind ein Spiegel unserer selbst.

Wir finden uns.



Wir laufen zurück, zwei Stunden sind vergangen. Das Licht ist gold, das Feld ist voll. Es ist zu warm für Anfang April.

Wir reden, über die Anfänge, die Entscheidungen.

Die Suche, die uns hierher geführt hat.

Am Ende des Weges ist das offene Tor, das offene Tor zur Straße.

Wir sind nicht mehr fremd. Wir lachen, reden, laufen. Es ist ein Austausch. Es geht um uns, und wie wir uns gegenseitig stärken können. Wie wir voneinander lernen können.








Über die Fotografinnen:

Meklit Fekadu (links):

Mit sieben Jahren kam die heute 23-Jährige mit ihren Eltern von Äthiopien nach München. Die nächste Station war, nach dem Abitur, Berlin, um Volkswirtschaftslehre zu studieren. Schon in München fotografierte Meklit in ihrer Freizeit ihre Freunde. In Berlin hat sie sich dafür entschieden ihr Studium abzubrechen und ihrer Leidenschaft nachzugehen. Mittlerweile fotografiert Meklit auch Menschen, die sie nicht kennt und ist Mitglied von „gurlz with curlz – we are more then stereotypes“. Ein Projekt für BIWOC, das das Tragen natürlich lockiger Haare thematisiert.


Joanna C. Schröder (rechts):

Joanna C. Schröder ist in Ruanda geboren und in Ouagadougou, Burkina Faso und Freiburg aufgewachsen. Nach dem Abschluss der European Studies an der Universität Sorbonne Nouvelle hat sie mehrere Jahre in der Berliner Mode & PR-Branche gearbeitet. Zuletzt war Joanna C. Schröder als Redakteurin für das BLONDE Magazin in Hamburg tätig. Seit 2017 wohnt sie wieder in Berlin, um unter dem Namen Joanna Legid als freie Fotografin und Content Creator zu arbeiten. Joanna C. Schröder ist Mitbegründerin von heartxwork.

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