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  • Joanna C. Schröder

"Ich bin die schwarze Heldin eines Sofia Coppola Filmes."

Updated: Nov 6, 2019

Nicht nur in Deutschland leben Menschen zwischen den Kulturen. Welche Erfahrungen machen Menschen mit Migrationshintergrund in Frankreich, Tunesien, den Niederlanden? Die Rubrik "Ausländer" blickt über die Landesgrenzen hinaus.


Growing-up-in-a-catholic-family issues, 2018, pencil and pastel on paper


Poesie und Illustrationen der Pariser Künstlerin Anne-Laure Ganga



das kleine weiße kleid


es ist sommer in Paris. 

mitten im monat juli. ich

trage ein weißes kleid.

und betrachte mich

im spiegel. das weiße

sieht so gut aus auf

der schwarzen haut.

es ist als wären sie

füreinander bestimmt. ich 

betrachte mich im spiegel.

meine schwarzen

augen, tief und

melancholisch. meine

lippen, voll und juvenil.




ich bin die schwarze heldin

eines Sofia Coppola

filmes. ich will den wind in

meinen haare spüren.

mein weißes langes kleid

tragen und damit ein

baumwollfeld verlassen.

die spitze und das

makramee verschönern 

meine haut. karamell in der

sommersonne.


La sororité, 2018

schau in den spiegel, was

siehst du? einen 

panther? eine gazelle? 

ich sehe eine frau. weich

wie ein schäfchen.

vibrierend wie ein 

Vlisco. ich sehe einen engel.

weich und luftig. eine 

millionen schwarze locken

auf meinem kopf. wie eine million fragezeichen.















ich laufe auf die öffnung

meiner haltestelle zu.

mein kleid, wirbelnd in der 

warmen und knisternde luft 

der pariser metro. ich

betrachte mich in der

fensterscheibe. das

weiße sieht so gut aus auf

der schwarzen haut.

es ist als wären sie 

füreinander bestimmt.



Bedroom selfie, summer 2018

Psalm 23, 2019

(original)


la petite robe blanche

c’est l’ete a Paris. plein

mois de juillet. je porte

une robe blanche. je me

regarde dans le miroir. le

blanc va si bien à la

peau noire. ils sont faits

l’un pour l’autre. je me

regarde dans le miroir.

mes yeux noirs,

profonds et

mélancoliques. mes

lèvres charnues et

juvéniles. je suis


l'héroïne d’un Sofia

Coppola négroïde. je

veux sentir le vent dans

mes cheveux. porter ma

longue robe blanche et

sortir d’un champ de

coton. la dentelle et le

macrame sublimant ma

peau. caramélisée par le

doux soleil d’été.





The bath (waiting for his text), 2018

regarde dans le miroir,

que vois-tu? une

panthère? une gazelle?

je vois une femme.

douce comme agneau.

vibrante comme un

Vlisco. je vois un ange.

fragile et ethéré. un

million de boucles noires

au-dessus de sa tête.

comme un million de

points d’interrogations.


Paris mon amour, 2018








je marche vers la

bouche de ma station.

ma robe immaculée

virevoltant au gré de l’air

chaud et croustillant du

métro parisien. je me

regarde dans la vitre. le

blanc va si bien à la

peau noire. ils sont faits

l’un pour l’autre.












Anne-Laure Ganga, 2019


Über die Künstlerin Anne-Laure Ganga ist als Tochter kongolesischer Eltern in Paris aufgewachsen. In ihrem Kunststudium an der Sorbonne hat sich die 27-Jährige auf den weiblichen Körper, Haut und Fetischismus fokussiert. Gangas Illustrationen und Gedichte erzählen von ihren Erfahrungen mit Liebesbeziehungen, Depressionen und dem Körper im Bezug zum Raum. Dabei kombiniert sie das Persönliche mit gesellschaftlich relevanten Themen wie die Vorherrschaft eurozentrischer Schönheitsideale. Ihr künstlerisches Universum nennt Ganga „Bandits femelles“ (weibliche Form von Bandit), weil sie viele mit sich kämpfende Frauen in sich trage.